Ein Einkaufsleiter in einem Handelsunternehmen wollte wissen, ob ein neuer Lieferant zuverlässig ist. Die Bonitätsauskunft war positiv. Die Bilanz erzählte eine andere Geschichte.
Bilanzen sind keine Buchhalterdokumente. Sie sind Momentaufnahmen der finanziellen Realität eines Unternehmens – und wer sie lesen kann, trifft bessere Entscheidungen bei Lieferanten, Partnern und Investitionen.
Drei Positionen, die sofort Orientierung geben
- Eigenkapitalquote: Wie viel des Vermögens gehört dem Unternehmen selbst? Unter 20 Prozent ist in den meisten Branchen ein Warnsignal.
- Anlagendeckung: Werden langfristige Vermögenswerte durch langfristiges Kapital finanziert? Wenn nicht, besteht strukturelle Refinanzierungsgefahr.
- Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: Steigen diese über mehrere Jahre, ohne dass das Eigenkapital mitwächst, ist das ein klares Zeichen für Ertragsprobleme.
Der Lieferant aus dem Eingangsbeispiel hatte in zwei aufeinanderfolgenden Jahren steigende Bankverbindlichkeiten bei sinkender Eigenkapitalquote. Der Einkaufsleiter wechselte rechtzeitig.
Bilanzanalyse ist kein Expertenwissen. Es ist eine Lesekompetenz, die jede Führungskraft braucht.