— Das folgende Gespraech entstand mit einem Berliner Venture-Analysten, der seit ueber einem Jahrzehnt Portfolios begleitet und dabei einiges gelernt hat, was er lieber frueher gewusst haette.
Welcher Fehler begegnet dir am haeufigsten bei erfahrenen Investoren?
Das Ueberschaetzen von Marktgroessen. Jemand sieht eine Analyse von Aktien und Titeln, liest eine optimistische Kurve und denkt: das Startup adressiert diesen Gesamtmarkt.
Aber ein adressierbarer Markt ist nicht der tatsaechliche Markt. Dieser Unterschied kostet regelmaessig Kapital.
Was sollte man bei der Marktanalyse konkret lassen?
Branchenberichte als alleinige Grundlage nehmen. Diese Berichte sind oft 18 Monate alt, wenn sie veroeffentlicht werden.
Bei Investitionen in Startups braucht man Primaerdaten: Kundeninterviews, Churn-Raten, Vertriebszyklen. Alles andere ist Dekoration.
Stichwort Diversifikation: Wann wird sie zur Falle?
Wenn jemand glaubt, durch viele kleine Positionen in Startups das Risiko zu eliminieren. Das funktioniert bei Aktien und Titeln mit liquiden Maerkten anders als bei illiquiden Startup-Beteiligungen.
Zwanzig schlechte Investments ergeben kein gutes Portfolio. Sie ergeben zwanzig Probleme.
Was ist der groesste Denkfehler beim Bewerten von Gruendern?
Der Halo-Effekt. Jemand hat einen bekannten Exit hinter sich, also wird alles, was er jetzt tut, unkritisch bewertet.
Dabei zeigt die Analyse von Markt, Aktien und Titeln immer wieder: vergangene Ergebnisse erklaeren neue Situationen nur begrenzt. Kontext aendert sich.
Welche Kennzahl wird am meisten missbraucht?
Die Bewertung beim Einstieg. Viele schauen auf eine niedrige Pre-Money-Bewertung und nennen das einen guten Deal.
Aber wenn das Unternehmen in drei Jahren keine Anschlussfinanzierung findet, spielt die Einstiegsbewertung keine Rolle mehr. Liquiditaetspfade sind entscheidender.
Was wuerdest du erfahrenen Investoren empfehlen, nicht zu tun?
Nicht auf FOMO-getriebene Runden einsteigen. Wenn jemand sagt, das Fenster schliesst sich in 48 Stunden, ist das kein Zeichen von Staerke des Deals.
Und nicht die eigene Urteilsfaehigkeit bei Investitionen in Startups durch Gruppendenken ersetzen lassen. Gerade in Communities mit geteilten Erfahrungen entsteht schnell ein Echo, der kritische Fragen unterdrueckt.
Ein letzter Gedanke fuer die Community?
Wir lernen am meisten voneinander, wenn wir offen ueber Fehler sprechen, nicht nur ueber Erfolge. Ueber Investitionen in Startups, Marktanalyse von Aktien und Titeln wird viel geschrieben.
Aber die ehrlichen Gespraeche ueber das, was nicht funktioniert hat, sind seltener und wertvoller.